Was ist Hingabe und Initiation? Paganismus und polytheistische Glaubenssysteme
In polytheistischen Glaubenssystemen ist das Ritual der Hingabe der Akt, mit dem sich eine Person spirituell an eine bestimmte Gottheit bindet. Angehörige monotheistischer Religionen betrachten diesen Brauch aufgrund von Vorurteilen und Fehlinformationen oft als etwas Negatives – sie empfinden Angst davor und stellen ihn entsprechend dar. Dabei handelt es sich weder um etwas Schlechtes noch um ein dunkles Ritual. Lassen Sie mich es genauer erklären, damit es verständlicher wird:
Nehmen wir an, du, die diesen Text liest, folgst dem islamischen Glauben: So wie du beim Eintritt in den Islam das Glaubensbekenntnis (Schahada) sprichst, ist der Akt der Hingabe im Grunde genau dasselbe. Während du dich im Islam Allah durch das Sprechen der Schahada weihst, versprechen Anhänger polytheistischer Religionen im Rahmen einer Initiation oder Hingabe ihrer Gottheit Treue und widmen ihr ihr Leben, um deren Pfad zu folgen. Verabschieden Sie sich also bitte von dem Gedanken, dass dies eine grausame oder verwerfliche Handlung sei.
Dass Menschen einem polytheistischen Glauben folgen, macht sie keineswegs zu schlechten Menschen. Solche Entscheidungen liegen im Gewissen des Einzelnen. Genau wie es in abrahamitischen Religionen wie dem Islam, dem Christentum oder dem Judentum nicht nur gute Menschen gibt, ist es auch im Polytheismus: Es gibt Gute und Schlechte. Dies ist eine persönliche Entscheidung und hat nichts mit dem Glauben an sich zu tun. Wenn jemand Böses tut, anderen schadet und sich dabei auf seinen Glauben beruft, dann tut er dies nur, um vor Gericht eine mildere Strafe zu erhalten (genau wie Mörder, die sagen: "Der Teufel hat mich dazu gebracht").
Wie laufen Initiation und Hingabe ab?
Wer sich fragt: „Wie macht man eine Initiation oder Hingabe?“, beginnt damit, seine Gottheit zu finden, sich intensiv mit ihr zu beschäftigen und alles über sie zu lernen. Wer sich danach aus tiefstem Herzen für eine Hingabe entscheidet, schreibt auf ein Stück Papier nieder, dass er oder sie diese Gottheit annimmt und verspricht, ihrem Pfad zu folgen. Dieser Text entsteht völlig frei und drückt das aus, was die Person in ihrem Inneren für ihre Gottheit empfindet. Am Ende des Schreibens wird mit einer sterilen Nadel symbolisch ein einzelner Tropfen Blut aus dem Finger entnommen, um sich selbst und der Gottheit die Ernsthaftigkeit dieser Absicht zu zeigen. Menschen, die einen solchen Schritt gehen, erleben ein tiefes spirituelles Bewusstsein. Sie bereiten den Raum, in dem die Hingabe stattfindet – etwa zu Hause –, mit wohlriechenden Räucherwerken vor, begeben sich in eine Art tranceartige Meditation und fördern so ihre spirituelle Entwicklung.
Während die oben beschriebene Initiation mit Papier und Stift durchgeführt wird, ziehen es manche Menschen vor, sie rein auf spiritueller Ebene zu vollziehen. Sie sind ihrer Gottheit innerlich so tief verbunden, dass sie keine physischen Hilfsmittel benötigen, sondern sich spirituell hingeben und ihr Leben lang diesem Pfad folgen. Das ist im Grunde auch der Weg, wie es sein sollte. Wenn jemand zwar ein Hingaberitual auf Papier vollzieht, sich im Alltag aber nicht um seine Gottheit kümmert und sie missachtet, ist diese Hingabe ungültig und bringt der Person keinerlei Nutzen.
Wahre Spiritualität vs. Oberflächliche Trends
Heutzutage gibt es viele Jugendliche, die solche Wege aus reiner Geltungssucht einschlagen. Um cool zu wirken, führen sie Rituale durch und bezeichnen sich selbst als "Satanisten", "Paganen" oder "Hexen". Wenn du deiner Gottheit jedoch nicht aus tiefstem Herzen verbunden und wirklich gläubig bist, wirst du spirituell niemals wachsen oder vorankommen. Wie bei allem im Leben ist das Fundament auch hier der wahrhaftige Glaube.